Die "erfolgreichste Managerin der Gegenwart" ist zurückgetreten. Gerade noch konnten wir sie als eine der absoluten Raritäten am WEF sichten und in den Medien unter der Rubrik "Starke Frauen" erkennen. Carly Fiorina, Chefin des US-Computerherstellers Hewlett Packard, war seit 1999 die Ausnahmeerscheinung in der praktisch lupenrein maskulinen Entourage der Welt-Wirtschaftselite. Sie war eine der sichbaren Top-Frauen an der Spitze eines Weltkonzerns. Unter ihrer Leitung funsionierte HP mit dem Konkurrenten Compaq. Nun ist sie gegangen. Grund seien Differenzen bei der Unternehmensstrategien, heisst es. Mit sofortiger Wirkung lege sie ihre Aemter nieder. Und: Man bedaure die Differenzen, so das Unternehmen.

Flugwetter für eine weitere starke Frau also. Wie Strandgut scheinen sie zu kommen und jäh zu gehen. Weggespült von Differenzen. Eine weniger. Eine mehr.

Blick in die Wirtschaftspresse: Allein in der Rubrik "Sesselwechsel" einer angesehenen Wochenzeitung attestieren wir auf einer einzigen Seite 19 Männern mit Bild ihre 19 Erfolgsmeldungen. Doch keiner einzigen Frau. Kaum ein Wirtschaftsmagazin der Schweiz rückt Frauen gleichermassen ins Bild ihrer Leistung. Es scheint, als wäre die Wirtschaft männlich. Männlicher denn je.

Und doch: man mag es wenden wie man will. Es gibt sie. Seit über zehn Jahren berate und begleite ich Frauen und Männer in Spitzenpositionen der Wirtschaft und Politik. Alle haben sie zu kämpfen für Erfolg und Nachhaltigkeit. Alle sehen sie sich konfrontiert mit einer Spirale zunehmender Anforderungen und im Wettlauf mit Zeit und Neid. Sie haben Erfolg und meistern Misserfolg, manchmal nahezu genial. Sie bewältigen Medienschelte und konzentrieren sich auf das Wesentliche ihres Auftrags. Erfolg ist geschlechtsneutral. Er steht unter gleichen Vorzeichen. Ist er da, braucht er eine Plattform, die ihn transparent macht. Und hier muss man bemerken: Die Wirtschaftspresse dieses Landes boykottiert weitgehend Erfolgsmeldungen von Frauen. Oder belächelt sie. Was in den Medien nicht stattfindet, findet im öffentlichen Bewusstsein weniger statt. Als Mitglied der Jury für die Wahl der "Unternehmerin des Jahres" weiss ich von der beachtlichen Leistung zahlreicher Managerinnen und Wirtschaftsfrauen dieses kleinen Landes. Es gibt genügend Statistiken und Unterlagen dazu, wie die vitalsten Zellen unserer Wirtschaft seit Jahren von Frauen gegründet, geleitet und zum Erfolg geführt werden. Gar manche Unternehmerin gehörte auf die Titelseite eines Wirtschaftsblattes, weit vor Trivialmeldungen zu Sesselwechseln und dergleichen.

Auch zu bemerken ist die Hemmungslosigkeit, mit der zunehmend wieder öffentliche Diskussionen zu Politik, Wirtschaft und gesellschaftsrelevanten Themen ohne Frauen stattfinden. Selbst in den öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radioanstalten dieses Landes flimmern stundenlange Dispute bestenfalls als Gruppenbild mit Dame über den Bildschirm. Experten- und Politrunden erörtern entscheidende Themen unter Ausschluss weiblicher Fachleute und scheinen kritiklos vom Publikum goutiert zu werden. Bemerkt oder unbemerkt? Das wäre hier die Frage.

Es will einfach nicht gelingen, dass wir solche Rückschritte angesichts herausragender Beispiele, wieviel fähige Frauen bewegen können, vermeiden. Dass wir nicht nur grossartige politische Leistungen etwa im Bereich der Friedenssicherung und dem Einsatz für mehr Gerechtigkeit in der Welt - etwa durch unsere einzige Frau im Bundesrat - eindeutig mehr würdigen, sondern auch die zahlreichen kleineren Beiträge für die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklung durch fähige Frauen auch durch ihren gezielten Einbezug in die Oeffentlichkeit fördern und fordern. Solche Leistungen sind geschlechtsneutral zu beleuchten. Sie sind Vorbilder, die dringend gebraucht werden, weil sie aufzeigen, zu wieviel mehr ein einzelner Mensch fähig ist, als er hierzulande glaubt.

Und zum Schluss bemerkt: Wenn es uns im Jahr 2005 noch immer nicht gelingt, Frauen und Männern gleichermassen Raum und Anerkennung für Spitzenleistung zu geben, dann wird unsere Gesellschaft immer stärker selber zum Strandgut. Ein Strandgut, das kaum mehr etwas hat, an welchem es sich orientieren kann. Woran es glaubt. Und was Kraft und Glaube in die eigenen Fähigkeiten schenkt. Bemerkt oder unbemerkt...

 

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