Wenn in der Krise keiner neue Fragen stellt, ist Intelligenz am Ende

"Früher war es irgendwie leichter, an tropischen Stränden ins Wasser zu gehen. Früher - das war vor 1975. Doch dann bescherte Steven Spielberg der Kinowelt seinen Thriller "Der weiße Hai". Seither haben viele Urlauber an den Stränden Australiens, der Karibik oder auch am Mittelmeer manch unbehaglichen Gedanken, während sie bei strahlendem Sonnenschein ihre Füße ins lauwarme Meerwasser tauchen. Mal ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, einem Hai zum Opfer zu fallen, ist ungefähr so hoch wie als Gewinner des Lotto-Jackpots vom Blitz getroffen zu werden..., " so schrieb ein renommierter Redaktor zu meinem Buch Shark Leadership, zum Thema Mensch und Hai.

Nun sind die Urlauber wieder zurück, haben die Haie vom Mittelmeer bis zur Karibik überlebt und stellen sich wieder ihren eigenen Beisshemmungen inmitten einer Gesellschaft von nicht immer freundlichen Biestern.

Doch mein Buch mit der Frage, was das Management vom Hai lernen kann ist aktueller denn je. Denn inmitten sämtlicher Zonen über dem Wasser wird gebissen, was das Zeug hält. Zeit für ein paar Gedanken zum Thema Vor-Urteile und Angstbilder.

Der Hai, ein Ueberlebenskünstler der Meere par excellence, immerhin sind dies bereits 320 Millionen Jahre - gilt als Synonym für Kraft, Intelligenz und für evolutionsmässig beeindruckende Sinnesleistungen. Sein Image ist seit Steven Spielberg katastrophal, seine Wirklichkeit jedoch phänomenal. Er, der vom Menschen kriminalisierte "Killer" , tötet jährlich nicht einmal weltweit zehn Menschen; doch der Mensch, sein "Opfer", tötet rund 200 Millionen Haie für Asiens Küche zu Höchstpreisen. Chinas Kochtopf-Favorit (nach Hunden und Katzen) stirbt vor unseren Augen aus und mit ihm die Meere. Wer ist Opfer und wer ist Täter. Fakten sind das eine, die Lehren aus Tauchgängen mit Haien das andere. Wer mit diesen Tieren taucht, denkt rascher nach. Ueber eigene Verantwortung, Nachhaltigkeit und radikalem Umdenken im Umgang mit Ressourcen und Umwelt, mit Mensch und Tier.

Dazu gehört die Konfrontation mit eigenen Vor-urteilen und Aengsten. Er zwingt uns, in den Spiegel zu sehen. "Der Hai ist die personifzierte Verkörperung aller menschlicher Aengste, die uns täglich antreiben, blockieren und motivieren,", so schrieb auch die Presse. Denn nichts versetzt Menschen rascher in Panik, als die Vorstellung, mit Haien zu tauchen. Und genau dies ist die Therapie und die Befreiung zu einem Management hinter den Grenzen unserer Angst. Die Begegnung mit Haien im Meer sind Grenzgänge, Extremsituationen, sie sind Nervenprobe und bringen uns in Kontakt mit unserer eigenen Kraft.

Sie zwingen uns zur Demut und machen uns nachdenklich. Denn der Zustand unserer Gesellschaft über dem Wasser verursacht die Okökatastrophe über und unter Wasser. Wer in die Welt der Haie eintaucht, wird die Welt danach anders sehen, anders bewerten. Wir lernen sie kennen, unsere "Projekten" von der Welt, unsere Kleinlichkeiten im Umgang mit Erfolgreichen, unsere Fähigkeit, auch in Momenten eigener Bedrohungsgefühle uns um andere zu kümmern, ein guter Leader zu sein und einzutauchen in starke Lektionen der Natur, die jeder Führungskraft und jedem Unternehmer gut tun. Fragen stellen sich für das Leben über dem Wasser: "Was geschieht mit jenen, die im falschen Moment obenauf schwimmen oder von unten geschluckt werden? Was geschieht mit jenen, die zu lange unten bleiben und den Aufstieg verpassen? Wie schnell darf man aufsteigen und wann muss man einen lebenswichtigen "Sicherheitsstopp" dabei machen? Wesentliche Erkenntnisse aus unseren Erfahrungen lassen sich 1:1 in die aktuellen Fallstudien aus Wirtschaft und Politik der Schweiz transferieren. Dazu gehören sich auch die Erkenntnis, dass Vor-Urteile und einseitige Bilder zu tödlichen Fehleinschätzungen eigener Stärken und Schwächen und damit zum Karriereknick führen können. Einige Lektionen dazu lauten auch: Missbrauche nie deine Position, sondern nutze deine Macht, um deine Umwelt im Gleichgewicht zu halten. Vertraue Deiner Intuition und akzeptiere Situationen, die du nicht ändern kannst. Uebernimm Verantwortung für alles, was Du tust. Betreibe eine Politik der Stärken und antizpiere jene Fehler, die tödlich enden können.

Nach sommerlicher Rückkehr an den Arbeitsplatz sind Haie unter uns gefährlicher als jene unter Wasser. Sie manifestieren sich dadurch, dass sie mit missionarischem Eifer kritisieren, sich in Unzulänglichkeiten festbeissen und sich als omnipotente Kriegstreiber positionieren. Etwas mehr Demut, etwas mehr Weisheit, etwas mehr Toleranz und etwas mehr Herz - möchte man da sagen. Die Stärke, mit der Stärke eines viel Stärken erfolgreich umzugehen lernt man bei wirklichen Haitauchgang. Die Grösse, diese in der Demut des sich Kleinfühlens zu erarbeiten und daran zu wachsen, ebenfalls. Und schliesslich lernt man von der Natur Neues zu lernen, über sich hinauszuwachsen und - Leben zu wagen und zu experimentieren. All das erlaubt uns, Grösse, Leistung und Excellenz anderer zu bewundern und von den Besten zu lernen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass Menschen, die mit Haien in Berührung kommen - so auch Neil Armstrong - die Welt und sich danach anders sehen. Der Hai, die Chance - das Synonym. Es erstreckt sich von der Wirtschaft bis zur Politik. Er wird jetzt - nach der Rückkehr in den Alltag - wichtiger denn je.

 

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