Die Reden zum 1. August flattern über unseren Fax, ich lese. Gerade heute traf bei uns eine flammende Version ein. Mit Erschütterung vernehme ich da von der "Patientin Schweiz". Vom Land, das allmählich im Mittelmass versinke und vor lauter sattsamer Genügsamkeit vom Ausland belächelt würde. Rettet die Schweiz - heisst es da. Und mir fährt es durch den Kopf: Rettet uns vor solchen Rednern...!

Ja, kann es denn sein, dass diese Form von Selbstzerfleischung und Selbstsabotage tatsächlich als Geburtstagsrede daherkommt? Dass wir uns zum 1. August gegenseitige Grabesreden halten und in neuer, noch nie dagewesener Form unsere angebliche Agonie noch kommentieren? Ich glaube nicht. Während Länder wie die USA von heiligem und flammendem Nationalstolz erfüllt sind, während sich kleine europäische Nationen auf ihren inneren Wert konzentrieren und sich - durchaus selbstkritisch - darauf besinnen, was ihre Politik der Stärken ausmacht, profilieren sich einige auf dem Buckel unserer Nation und kommentieren Besserwisserei, Erhabenheit und pseudo-intellektuelle Rat-Schlägerei. Nein danke. Ich bin gewiss keine Nationalistin. Und selbst beim Wort "Vater-Land" stockt mir der Atem. Doch ich bin eine Schweizerin, welche als Frau und politisch engagierte Bürgerin auf diesem historisch starken Boden lebt, arbeitet und von hier aus auch weit über die Landesgrenzen hinaus wirkt. Immer wieder ist mir bewusst, wie hoch unser Qualitätsbewusstsein noch immer ist. Wie gut eine auch parteipolitisch veränderte Nation die Einmaligkeit der Direkten Demokratie vorlebt. Wie vorbildlich - trotz gelegentlichen Ausrutschern - unsere humanitäre Tradition und unsere Neutralität auch im Rahmen der EU funktionieren. Unser Land ist ein Schmelztiegel von vier Sprachlandschaften und unzähligen Pluralismen von Mentalitäten, Eigensinnigkeiten, Spezialitäten und Eigenheiten. All dies macht dieses Land stark. Die kleine Schweiz hat grosse Spuren hinterlassen. Spuren, die von Menschen gelegt werden. Täglich, im Kleinen und Grossen. Spuren, die von einer Eigenheit zeugen, die vielleicht auch noch typisch schweizerisch ist: In diesem Land mag durchaus Depression und Vereinsamung vieler Menschen vorhanden sein. Der Egoismus hat auch vor unsern Grenzen nicht Halt gemacht.

Was wir aber immer wieder bemerken, ist einzigartig: wer in der Schweiz unter Beschuss steht, medial auf die Hälfte gekürzt, öffentlich angeprangert oder zu Unrecht Schelte einsteckt, wird von der Mehrheit der Schweizer Bevölkerung in die Arme geschlossen. Diese Bevölkerung hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ein grosses Herz für jene Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen oder gerademal im Regen stehen.
Zum Geburtstag gehört es sich damit, all jenen zu danken und zu gedenken, die sich immer wieder einsetzen für mehr Gerechtigkeit, soziales Engagement und innen- wie aussenpolitisch solidarisches Handeln mit Geknechteten und Benachteiligten. Das ist die Saat, die uns auch in vergangenen Zeiten immer wieder zusammengehalten und stärker als weitaus grössere Nationen gemacht hat.

Ich wünsche mir flammende 1.-August-Rednerinnen und -Redner, welche uns mit ihren Worten daran erinnern, welches unsere Stärken sind. Wieweit und mit welchen USP-Qualitäten die Schweiz ihr internationales Ansehen aufgebaut hat. Womit wir auch mit weltweit bekannten Labels unsere Wirtschaftskraft beweisen und mit welchen persönlichen Erfolgsstrategien Menschen unseres Landes das geknechtete "Mittelmass" (gewisse Buchtitel aus ehemaligen Parlamentarier-Reihen lassen grüssen) längst verlassen haben, um sich der Umsetzung ihrer Visionen und Träume zu widmen.

Dieses Land lebt dank lebendigen Menschen. Diese sind kritisch, müssen es sein. Doch sie vergessen nie, dass persönlicher, politischer und wirtschaftlicher Erfolg nur mit dem Fokus auf Stärken und deren Umsetzung mit ethischen Werten möglich ist.
Schlechtredner und Negativ-Kritiker gehören zu den letzten, denen unser Land auch in Zukunft seinen Erfolg und seinen Wohlstand verdankt.

Lasst uns feiern. Uns selbst - jede Bürgerin und jeden Bürger dieses Landes, der sein Herz am rechten Fleck hat und mit Liebe denkt, handelt und interveniert.
In seinem Vaterland. Mutterland. Land der politischen Gestaltungskraft. Land der Humanität und Menschenrechte. Land der sozialen Verantwortung und einer Bevölkerung, die mit ihrem Herz für Benachteiligte sehr häufig mehr Spuren hinterlässt, als wir es alle wahrnehmen.

 

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