Gestern begegnete mir ein Mann in einer filmischen Annäherung just in jenem Moment, als wir von Zivilcourage und Mut angesichts zunehmender Brutalisierungen in der Gesellschaft diskutierten.
Dieser Mann, schien ein Rebell von beseeltem Widerspruchsgeist zu sein. Er widersetzte sich laut historischen Zeugnissen falschen Obrigkeiten. Er war ein "Ent-Decker" von Unrecht und Korruption. Er nannte beim Namen, was andere beschwiegen. Jesus - der Mann ohne besonderes Flair fürs Unscheinbare und Diskrete, er kämpfte für seine Weltvorstellung, seinen Glauben und lebte vor, was er verlangte: Zivilcourage, Mut und Risikobereitschaft. Sein offenes Wort angesichts von Ungerechtigkeit wurde gehört, seine Taten bei Verzweiflung, Hass und Tod wurden bemerkt. Er machte sich unbeliebt bei den Falschmünzern, beliebt bei den Couragierten, er schrieb Geschichte im Namen einer lebbaren Welt. Und er überlebte Unwahrheiten für die unbesiegbare Wahrheit. Er ist Symbol für Zivilcourage. Und da erhält er eine Wirkung, die weit über Ostern hinausgeht.

Was dieser Mann im Grossen erlangte - kann ein Indikator für das Schaffen jedes einzelnen sein. Wer grössere Träume hat, als sie die Realität zerstören kann, wer stärkere Visionen und Werte hat als sein Kleinmut sie zügeln könnte, lebt wohl in einer solchen Tradition. Solche Menschen sind Hoffnungsträger. Sie sind ein Kontrapunkt zum berstenden Opportunismus dieser Zeit, in der oft gerade dort die Wahrheit sitzt, wo es etwas zu holen gibt. Doch die Welt - so Albert Einstein - "... wird nicht bedroht von Menschen, die böse sind. Sondern von denen, die das Böse zulassen."

In Kanada ist gegenwärtig die füchterliche Robbenschlachtung in vollem Gang. Die Regierung in Ottawa gab 270'000 Robben zur Tötung frei. Die Welt sieht zu, wie sich die Eisschollen vom Blut der Tiere rot färben, wie sie lebendig um ihres Felles wegen gehäutet werden und wie Barbaren mit Herzen aus Eis zu Tausenden Leben um Leben totknüppeln. Jedes Jahr rufen die Bilder von gehäuteten Robbenbabyleichen auf blutgetränktem Schnee und Eis erneut Entsetzen hervor. Doch mir scheint, dass man sich an diese Tragödien bereits gewöhnt hat; man hat sich das Entsetzen bereits etwas  abgewöhnt oder verbirgt sich hinter der Resignation. Was kann ein einzelner da schon tun...! Falsch: Wer schweigt oder gar diesen Pelz trägt, der von häufig noch bei vollem Bewusstsein gehäuteten Tieren stammt, ist blutiger Komplize. Und es geht weiter:

In Japan feiert man das jährliche Blutritual in der bestialischen Abschlachtung von Delphinen und ihren Jungen. Derzeit werden etwa 20.000 Delphine auf unvorstellbar grausame Weise getötet. Gründe dafür gibt es keine, es sind Rituale, in denen der Mensch als einziges Lebewesen der Evolution tötet um der Lust des Töten Willens.
Und wieder: Die Welt schaut zu, wie eine der brutalsten und weltweit größten Massenabschlachtung von (vom Aussterben bedrohten) Tieren Tag für Tag fortschreitet.

In China werden in diesem Moment auf Lebendtiermärkten Hunde und Katzen tausendfach ihres Pelzes wegen bei lebendigem Leibe gehäutet; ihre Pelze gelangen über Umwege zu uns und werden oft als anders benannte Verzierungen an unseren Kleidungsstücken gehandelt; gar oft spielen sogar Kinder mit niedlichen Spielzeugtieren,  deren Pelze von diesen Hunden und Katzen stammen. Und wieder schaut die Welt zu.

Man kann es drehen wie man will. Entweder man resigniert oder man entscheidet sich für den Weg des Denkens und Intervenierens, des Kämpfens für Recht und Würde jeden Lebens, für den Sinn des eigenen Seins und schliesslich für Momente des Glücks, wenn es gelungen ist, Glück zu schenken. Schweigen angesichts blutiger Realitäten schafft Komplizenschaften. Und damit liessen sich die grössten Tragödien der menschlichen Geschichte realisieren.

Ostern hat deshalb eine enorme Kraft für uns alle. Ostern ist ein Gedenken an humanitäre Werte und die Kraft des einzelnen, "seine" Geschichte zu schreiben. Denn damit entsteht Seite um Seite einer neuen Zukunft, die für alle lebbarer wird, als Gegenwart und Vergangenheit. Und vielleicht bekommt dann schliesslich sogar Leo Tolstoi recht, der einst schrieb: "Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben.

 

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