Unterstützt wird die zweite Luzerner Friedenskonferenz dieser Woche von Bund, Kanton und Firmen aus der Privatwirtschaft, nicht aber von der Stadt Luzern. Man liest in der NLZ vom 19. September weiter und findet ein Zitat: ".. Sicher ist es eine gute Sache, die Stadt kann jedoch nicht jeden Anlass unterstützen", so ein Mitarbeiter aus dem Stab. Der Stadtrat sehe angeblich keinen ausreichenden volkswirtschaftlichen Nutzen und gewünschte Breitenwirkung.
Hier stutze ich nun endgültig. Gewiss gibt es Friedensforschung und Friedenskonferenzen in Europa und der Schweiz, die Tradition haben, Breitenwirkung und langjährige Reputation. Doch allein die Tatsache, dass sich hier in der Stadt Luzern zum zweiten Mal überhaupt eine Friedenskonferenz etabliert, die mit einer Delegation von Referenten aus 15 Ländern und namhaften Persönlichkeiten auch aus der Schweizer Politik und dem Militär aufwartet hat Reputationsgehalt. Dass man erklärterweise die Stadt Luzern zur Friedensstadt machen wollte und sie nicht nur touristisch und volkswirtschaftlich zur auch für russische Investoren glänzenden Braut schmückt, sondern auch zur ideologischen ernsthaften Gesprächspartnerin erküren wollte, wäre zumindest ein anderes Argument wert gewesen. Im Lichte der weltweiten Bedrohungslage durch Terrorismus und Massenvernichtungswaffen ist auch die Friedensforschung so zentral wie die Abwendung von humanitären Katastrophen, globalen Konfliktlösungen und den klugen Umgang mit knappen Gütern wie Wasser. In Zeiten wie diesen, in denen Menschen täglich an die Gefahr des Terrorismus erinnert werden, in denen grundlegende Aengste und existentielle Probleme vieler Zeitgenossen inmitten des Wohlstands grösser sind, als jede Hoffnung, da sind solche Konferenzen wichtiger denn je. Sie sind eine Oase des Austausches, der Begegnung, der Netzwerke. Solche Anlässe brauchen Anschub, ideologischen und finanziellen Flankenschutz, politischen Goodwill und mediales Interesse, sonst sind sie am Ende, bevor sie ankommen.

Lieber Stadtrat, Breitenwirkung kann nur so wachsen und damit auch die mit der wachsenden Besucherzahl verbunden Anzahl Hotelübernachtungen in der Stadt und die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Ergebnisse. Man kann nicht ins Wasser springen und dabei nicht nass werden. Für uns sind Menschen, die inmitten einer Masse von leidenschaftslosen Mitläufern unserer Gesellschaft persönliche Akzente setzen, einen aktiven Beitrag für ein besseres Zusammenleben und persönliches Engagement wie auch immer leisten - Sterne der Hoffnung. Wenn sie dabei mittels Friedenskonferenzen, Ethik- und Ressourcendiskussionen unsere Zukunft antizipieren, so sind sie gesellschaftspolitisch ernst zu nehmen. Und dann ist eine abschlägige Antwort mit der Begründung in Anzahl Hotelübernachtungen und mit alleinigen volkswirtschaftlichen Massstäben einfach kontraproduktiv.

Luzern ist eine zauberhafte Stadt im Herzen von Europa. Sie hat es verdient, mit Referenten aus über 15 Ländern und einem Thema, das über unser menschliches Ueberleben entscheidet - Wasser - für die Zeit ihrer Friedenskonferenz zur Friedensstadt zu werden. Sie hatte diesen Auftrag bereits vor über 100 Jahren.
Nach Luzern reisten im September 1905 aus 16 Nationen mehrere Hundert Delegierte im Bemühen um Frieden. Und vielleicht beginnt der Funke dazu im persönlichen Frieden und Bemühen um einen gemeinsamen Nenner aller schliesslich, die von solchen Projekten für die Zukunft profitieren. Mittel- und längerfristig nicht nur in der zitierten Anzahl Hotelübernachtungen, sondern für die Zukunft unserer Kinder, die diese Welt nach uns noch bewohnen wollen.

 

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