Die impulsiven Diskussionen um zweistellige Millionengehälter einzelner Konzernführer stecken wie ein Keil in den Herzen der Schweiz. Und man ist sich einig, dass irgendwann einmal ein Jahreseinkommen argumentativ einfach versagt. Zurück bleiben Gefühle der Ungerechtigkeit, des Neids und Fragen nach Ethik und dem Stellenwert der Wirtschaft. All das zusammen ist nicht nur negativ, sondern eine zentrale Auseinandersetzung mit Grundwerten unserer Gesellschaft, mit schweizerischen Paradigmen und mit Fragen nach Moral und Zukunftsszenarien der Wirtschaft. Neu ist vielleicht, dass diese von der breiten Gesellschaft diskutiert werden. Und damit haben sie einen gesellschaftspolitischen Wert.

Tatsache ist, dass der Standpunkt der gerechten Lohnverteilung auch von den rund 96% unserer Wirtschaft geteilt wird: es sind die kleineren und mittleren Unternehmen, die letztlich die grosse Kraft unserer wirtschaftlichen Realität ausmacht. Und hier ist man sich einig: Wirtschaft hat der Gesellschaft zu dienen, Ethik und Fairness, Chancengleichheit und die Wahrnehmung von gesellschaftspolitischer Verantwortung sind erklärte Grundwerte dieses Landes. Wenn die Polemik über Marcel Ospels zweistelligen Jahreslohn in Millionen angeblich unser Land spaltet, so ist etwas schief gelaufen: Denn er und mit ihm noch rund weitere zwei Grossverdiener teilen sich den astronomischen Salärhimmel als Ausnahmeerscheinungen, hinter ihnen stehen Vergütungsausschüsse nach US-amerikanischem Modell und die gute Nachricht ist: sie sind schlicht nicht repräsentativ für den Rest der Managerlöhne.
Letztere sind im internationalen Vergleich nach wie vor gut positioniert und bewegen sich auch in Europa im oberen Segment mit Dänemark, Norwegen und Westdeutschland. Wir wissen ebenfalls, dass die Schweizer Bankenchefs zu den bestbezahltesten in Europa gehören, dass wir eine Hochlohninsel in Europa darstellen und dass auch unsere Verwaltungsratsverdienste fast 2.5 mal soviel ausmacht wie der europäische Durchschnitt. Doch wir wissen auch, dass wir hierzulande erstklassige Arbeit leisten, europäisch noch immer als Innovationsführer dastehen, erstklassige Brands mit internationaler Präsenz halten und - dafür auch anständige Löhne gehören. All dies ist gegeben.

So betrachtet müssen wir uns also vielmehr die Frage stellen, wie es gelingt, dass wir weniger über die einzelnen astronomischen "Salärausreisser" debattieren, als vielmehr, wie wir die wachsende Neidkultur in den Griff bekommen und Spielregeln durchsetzen, die unserer Wirtschaft im Dienste der Gesellschaft bekommt. Dazu gehört der Kampf gegen Doppelmandate und Aemterkummulation; wenn bei 100 Unternehmen immerhin rund 15 mit Doppelmandaten an als Konzernchef und Präsident agieren, versagt das Controlling. Einige wirtschaftliche Groundings sind traurige Zeugen dieser Tatsache.
Wir müssen überlegen, wie es gelingt, dass mehr Frauen auch als "moralisches Gewissen" in den Verwaltungsratssesseln Platz nehmen, denn sie sind es, die neue Fragen stellen und vielleicht auch restriktiver den Finger auf Unrechtmässigkeiten legen (was vielleicht ihr Fehlen erklärt...); wir müssen uns überlegen, ob ein Aktionärs-Recht à la Grossbritannien zweckdienlich ist, wonach die Aktionäre selber an den Generalversammlungen die Löhne für ihr Spitzenmanagement festlegen; die hilflosen und bestenfalls zur schlechten Unterhaltung unterminierten Versuche hierzulande, als Aktionär an Generalversammlungen ernst genommen zu werden, gibt Raum für Raubritter auf Kosten der Aktionäre. Man könnte sich auch die Frage stellen, ob man Spitzenverdiener nachhaltig dazu einladen möchte, ihren wirtschaftlichen Dienst an der Gesellschaft persönlich zu leisten und einen Teil ihres Verdienstes in Fonds, Stiftungen und Charity-Projekte, die dem Allgemeinwohl dienen, einzuzahlen. Sozusagen als erwartete Geste der Grosszügigkeit.

Eines steht fest: Ganz bestimmt kann die erneut entbrannte Diskussion um Wirtschaft und Gesellschaft jetzt auch die Chance packen, gemeinsam nach lebbaren und zukunftswürdigen Lösungen zu suchen, die Einkommen, Wohlstand und sozialen Frieden ermöglichen. Dazu braucht es die Bevölkerung, die von einer Neid- zur Sachdebatte findet und der breiten Wirtschaft, die immer wieder verständlich macht, dass der durchschnittliche Schweizer Manager sehr wohl ein moralisches Gewissen hat. Und die wenigen, welche den Streit entzündet haben, finden hoffentlich den Weg zur Charity, was ihnen sicherlich etwas mehr Sympathie ihres eigenen Landes ermöglicht. Und obendrein für das Image Ihres Unternehmens fast zwingend wird.

 

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