Ich erinnere mich an die Zeit, als Lilian Uchtenhagen nicht gewählt wurde. Sie sollte die erste Bundesrätin der Schweiz werden, an ihrer Stelle wählte man Otto Stich. Wir damaligen Universitäts-Studentinnen und mit uns einige Studenten waren fassungslos, wurden politisch aktiv. Das war 1983. Mit der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf ist der schweizerische Bundesrat erstmals in der Geschichte mit drei Frauen gleichzeitig vertreten. Mit der Besetzung des Bundeskanzleramts mit Corina Casanova ist auch hier wieder eine fähige Frau im Amt. Der historische 12. Dezember 2007 ist eine zweifache Antwort auf die Frage nach der gesellschaftlichen Realität der Schweiz von morgen. Und unter dem Motto "Wahltag ist Zahltag" - steht fest: Qualität gewinnt immer und - diese darf weiblich sein.

Die Wahl vom 12. Dezember ist eine ernste Antwort. Sie zeigt, dass Toleranz, Würde, Respekt und Anstand in einer demokratischen Gesellschaft immer stärker sind als ihr Gegenteil. Diese Gewissheit tut gut. Sie ehrt das Parlament, sie ehrt die Wählerschaft, denn jede Bevölkerung, so sagt man, habe die Regierung, die sie verdiene. Nicht nur ein Imageproblem wird damit auch aussenpolitisch korrigiert, sondern vor allem ein Problem der Glaubwürdigkeit der schweizerischen Politik und ihrer demokratischen Grundrechte, der Meinungsfreiheit und der Würde humanitärer Traditionen. Wir sind eben doch keine Demokratie am „Rande des Nervenszusammenbruchs“ wie es der Spiegel schrieb, auch die UNO wird den 12. Dezember 2007 zur Kenntnis nehmen und im Namen der Menschenrechte für die Schweiz positiv verbuchen. Es wurde verteidigt, was dem Schweizer Image gehört: Eine Schlüsselrolle in Sachen Demokratieverständnis und dem Willen zum Korrektiv im Erhalten von humanitärer Tradition und fairer politischer Auseinandersetzung.

Die Schweiz hat geantwortet. Was sich in der Politik gezeigt hat, gilt auch für die Wirtschaft, für alle Bereiche der Gesellschaft. Denn Buddha hatte recht, als er sagte: it is your mind - that creates this world. Wenn unsere Leaderinnen und Leader in den Schlüsselbereichen unseres Lebens nicht eine Vorbildfunktion in Sachen Toleranz und Friedfertigkeit an den Tag legen, sind sie keine Vorbilder, sondern Türen und Tore zu Intoleranz, Hass und Abhängigkeit. Wo Menschen versuchen, andere mit einem Entweder-oder zu manipulieren, da gibt es zwei Optionen. Entweder verfallen ihnen Menschen oder sie emanzipieren sich von ihnen.

In diesem Fall hat sich die Schweiz emanzipiert gezeigt. Das Parlament hat das Fundament für Nachhaltigkeit, faire Auseinandersetzung, menschliche Politik und - weibliche Politik obendrein - gelegt.

Der 12. Dezember ist ein Tag der Emanzipation. Wir dürfen in Anspruch nehmen, dass die Zeit wieder stärker auf der Seite der politischen Correctness und des sportlichen Miteinanders auch bei Meinungsunterschieden steht. Wir dürfen hoffen, dass es dieser Demokratie gelingt, autonom zu bestimmen, wie die Zukunft unserer Kinder real auszusehen hat, auch wenn hier mitunter ab und zu ein "schwarzes Schaf" den Weg kreuzt. Deswegen sind noch lange nicht alle schwarzen Schafe gefährlich. Die Schweiz hat die Weichen gestellt. Wir dürfen hoffen, dass viel erlebt und gelernt wurde in Sachen Menschlichkeit. Und dass dabei der 12. Dezember als Tag der Frauen in der Politik Geschichte schreibt, ist ganz besonders bemerkenswert. Eine dritte Bundesrätin, welche mit der Wahlannahme bereits ihr persönliches Format und den Willen zum Erfolg manifestierte und die Tatsache, dass nach Annemarie Huber-Hotz erneut eine fähige Frau als Bundeskanzlerin gewählt wurde, macht Freude. Hier darf auch die Wirtschaft in der Berufung von fähigen Frauen in ihre Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungssitze einen starken Vorsatz fürs kommende Jahr fassen.

Wir brauchen fähige Menschen über alle Parteien hinweg, Menschen mit Fingerspitzengefühlt und der Fähigkeit, Meinungspluralität und Toleranz zu fördern, Problemlösungen ohne grosse Polemik und Stimmungsmacherei zu liefern und der Bevölkerung zu dienen.

 

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