Kürzlich wurde der schweizerische Unternehmerinnen-Preis verliehen. Hunderte von Gästen schenkten dem Anlass gehörige Präsenz. Immerhin wurden hier von verantwortungsvollen Juroren und Elektoren die zahlreichen Dossiers studiert, qualifiziert und schliesslich die Siegerin nominiert. Der Preis ging dieses Jahr gleich an zwei: das Zahnärztinnen-Geschwisterpaar aus Persien, Dr. Haleh und Dr. Golnar Abivardi, beide in der Funktion des CEO. Seit der Gründung ihrer Zahnärzte-Kompetenzzentren im Jahr 2003 blicken sie auf einen Kundenstamm von beachtlichen 26'000 Patienten und tragen die Vision ihrer eigenen Marke "Swiss Smile" in die Welt. Unbescheidene unternehmerische Frauen setzen auf den Glanz von "Hoher Qualität in exklusiver Atmosphäre" und - stellen damit den Rest ihrer Schweizer Kollegen in den Schatten. Umso lichtvoller waren denn auch die Worte der Laudatio anlässlich der Preisverleihung. Doch wie immer ereilte den Moment der Freude denn auch schon wieder der Frust: wenige, sehr wenige Medien berichteten über diese weiblichen Unternehmenslorbeeren. Und wenn, dann zuweilen fokussierter auf die Schönheit der Damen, denn auf ihre akademischen und unternehmerischen Früchte. Schade, soviel Können und Wissen gepaart mit Glanz und Eleganz, ganz nebenbei auch noch mit mütterlichen Qualitäten ausstaffiert (beide sind Mütter von je zwei Kindern) beweist doch eindrücklich, dass im Leben einer Frau eben doch vieles unter einen Hut passt. Wenn sie will und kann. Eine schöne Nachricht für die Töchter Helvetiens wäre dies, mag man sich denken...!

Szenenwechsel: Letzte Woche organisierten zwei weitere unternehmerische Damen den 1. Zuger Frauenkongress. Zentralschweizerisches Herzblut und Engagement für die Frauen in der Wirtschaft waren da spürbar. Unternehmerisches Commitment und die Bereitschaft, für eine Idee und Vision auch Risiken zu nehmen, wurden mit Würde und Witz getragen. Unter der Rubrik "Woman and Business" - boten diese Initiantinnen eine eindrückliche Inspirations-Plattform für Wirtschaftsfrauen (und einige Herren) - von Interviews über Podiumsdiskussionen bis hin zu regierungsrätlichen Ermutigungen zum "Frauenpower im Kanton Zug" und Referaten - hier wurde an Vorurteilen gerüttelt.  Gescheite Frauen stellten gescheite Fragen und boten damit auch Raum und Zeit für ebensolche Antworten. "Feel the change" - ein Slogan einer der Veranstalterinnen in Zusammenarbeit mit erstklassigen Trägern und Sponsoren - liess den "Change" jedoch nur intern fühlen. Denn ausserhalb des Kongressortes beschwieg man den Anlass vornehm. In den Medien fand der "Frauenanlass" nur in wenigen und umso lobenswerteren Ausnahmen die gebührende Beachtung. Denn Sex and Crime, Unfälle und Verbrechen - sie alle sind quoten- und auflagenträchtiger als jedes Frauenthema. (Nichts Neues, ich weiss - aber ändert sich denn nie etwas...?) 

Und last but not least: hörten wir gerade gestern von sicherer Quelle, wiewohl doch eine Redaktion ihre Autorin dazu ermutigte, auf ein Portrait in ihrem Beitrag zu verzichten, ihren akademischen Titel zu streichen und ihren beruflichen Track Record zu kürzen. Man kann schmunzeln oder auch gleich die Frage stellen, weshalb man sie nicht zum Kunstgriff nach einem männlichen Pseudonym animierte!

Wäre es denn nicht einfacher, man würde anstelle von progressiv anmutenden Diskussionen vielmehr wie zu Zeiten von George Sand (alias Madame Aurore Dupain, die als Literatin zu einem Männernamen griff, weil sie Beachtung und Respekt verlangte) Tacheles sprechen und ganz einfach zugeben, dass die Schweiz mit erfolgreichen und selbstsicheren Frauen ganz schön Mühe hat und sie vornehmlich - und gerne auch in den Medien - maximal möglich beschweigt.

Es lebe die Unbescheidenheit von excellenten Frauen (und Männern), welche sich niemals kleiner machen, als sie sind - sondern mit ihrer Grösse auch Töchter und Söhne dieses Landes zur eigenen Stärke und zum Mut zur Leistung inspirieren.

 

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