Über 40 Länder haben die Prüfung bestanden. Ueber politische Gräben hinweg wird geholfen. Allein in der Schweiz wird zur Zeit eine Solidarität und Grosszügigkeit des Herzens vorgelebt, die unserer humanitären Tradition zutiefst würdig ist. Man schweigt, weil Worte niemals genügen können. Und man öffnet Herz und Portemonnaie, weil es das wenige, und doch entscheidende ist, was wir tun können. Verbindet uns weit über all die politischen Lavierereien hinaus. Zeigt auf, dass unser Land voller Menschen ist, die beherzt sind.

Menschen bestehen diese Prüfung. Sie zeigen, dass das Leiden der Betroffenen nur ganz wenige kalt lässt. Dass Mitgefühl die Brücke ist, die weltumspannend einzigartig in der Geschichte wirkt.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen erging, als landesweit alle Kirchenglocken anlässlich des Trauertags läuteten. Als Menschen Schweigeminuten einhielten. Es war, als würden wir für diese Zeiten miteinander verbunden, als wären kleine Einsamkeiten aufgelöst. Und als reichten sich Menschen um den Erdball herum imaginär die Hände. Allein dies schon berührt. Und es berührt deshalb, weil es eine Erfahrung ist, die wir in diesem Ausmass noch nie in der Geschichte machten.

Die Wirklichkeit hat uns eingeholt. Mit neuen Augen und Ohren, mit Herz und Zuversicht müssen wir uns der Kraft der Natur beugen. Nein, wir sind nicht der Nabel der Welt, wie dies einige Männer selbstgerecht einst erklärten. Wir sind bestenfalls die Nabelschnur der Menschlichkeit, der Liebe und der Ethik, die längst mehr als buchstabiert werden muss.

Auch in Wirtschaft und Politik muss ein neues Denken und Werten greifen.
Der Abschied vom kleinmütigen und kurzfristigen Handeln in die eigene Tasche ist gekommen. Der Zugriff auf die Ressourcen unseres Planeten, auf dem wir nur Gäste sind, hat seinen Preis. Wir müssen lernen, unsere Erde, ihre Kräfte und die Gewalt, die sowohl schön als auch schrecklich sind, als Gäste zu bewohnen. Als Gäste, die sich stets die Konsequenzen ihres Tuns vor Augen halten.

Wir müssen lernen, dass dieses Beispiel der Menschlichkeit die einzige Rettung der Menschheit ist, die den Planeten in den Jahrtausenden unserer Existenz stets als Müllhalde der eigenen Kurzsichtigkeit missbrauchte. Mit rund 100 000 Tonnen radioaktivem Müll in unseren Weltmeeren, rund 200 offiziell bekannnten auf Meeresgrund befindlichen Atom-U-Booten und den damit entsorgten Interkontinentalraketen isst sich nicht einfach der Fisch schlechter, sondern droht uns der Kollaps unserer Nahrungsmittelkette. Homo homini lupus est - der Mensch ist des Menschen grösster Feind und letztlich tödlich. Besonders dann, wenn er sich dabei auch noch das Göttliche und die Natur untertan macht und erklärt, welche Religionen und welches Geschlecht göttlicher ist als die andern. So kam der Krieg in die Welt. Und nun stellt sich die Frage, wie die Liebe dahinkommt. Nachhaltig. Langfristig und grenzüberschreitend.

Die unfassbare Katastrophe aus dem Seebeben in Asien mag ein Umdenken eingeleitet haben. Denn die Welt ist enger zusammengerückt. Das Leiden in der Welt hat Menschlichkeit ermöglicht, Herzqualität und ein zutiefst ethisches Handeln.

Vielleicht liegt in diesen Qualitäten nun auch eine Chance der Hoffnung auf Zukunft. Oder, um mit den Worten der Theologin Dorothee Sölle zu sprechen:

"schaffe mir gott ein neues herz, das alte gehorcht der gewohnheit
schaff mir neue augen
die alten sind behext vom erfolg
schaff mir neue ohren
die alten registrieren nur unglück
und eine neue liebe zu den bäumen
statt der vollen trauer
schaffe in mir gott ein neues herz
und gib mir einen neuen geist
dass ich dich loben kann
ohne zu lügen
mit tränen in den augen
wenns denn sein muss
aber ohne zu lügen."

Und es bleibt die Hoffnung, dass der Mensch - eben doch - dazulernt.

 

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